Vortragsreihe: Comics, Chanson, Film: Die Geburt des französischen Pop in den 1960er Jahren

Online-Vortragsreihe: Comics, Chanson, Film: Die Geburt des französischen Pop in den 1960er Jahren

Anmeldungen: fz@mx.uni-saarland.de

Vortragsreihe

Comics, Chanson, Film: Die Geburt des französischen Pop in den 1960er Jahren

Eine Kooperation zwischen der Forschungsgruppe « Populärkultur transnational – Europa in den langen 1960er Jahre (Universität des Saarlandes/Université du Luxembourg), dem Lehrstuhl für Europäische Zeitgeschichte und dem Frankreich-Zentrum der Universität des Saarlandes.

02.03.2021 Moderation: Dietmar Hüser

Elsa Manet im Gespräch mit Gerd Heger (SR) Der Saarländische Rundfunk hatte nach dem 2. Weltkrieg (und hat sie bis heute) eine Schlüsselrolle bei der Vermittlung französischer Kultur im Saarland – insbesondere über das Chanson. Monsieur Chanson, Pierre Séguy, erzählte im Radio von Paris und Brassens, Brel, Barbara, Gréco, Moustaki etc. und holte die Künstler*innen ins Saarland zu großen Galaabenden. Da traten dann, mit dem SR-Tanzorchester, drei, vier Stars und Newcomer an einem Abend auf – eine echte Gala mit eleganter Conférence. Unter anderem mit Elsa Manet, die heute in Paris lebt und sich gerne an ihre Zeit im Saarland erinnert.

Elsa Manet arbeitete in den 1960er bis 1990er Jahre als freie Journalistin, Fernsehmoderatorin sowohl für deutsche als auch für französische Rundfunkanstalten und wurde vor allem ab den 1980er Jahren mit der Fernsehshow „La chasse au trésor“ („Rätselflug“) bekannt. Gerd Heger (Jahrgang 1960), Pfälzer, Radiomann und Monsieur Chanson beim Saarländischen Rundfunk, kam nach einem Studium der Romanistik und Politikwissenschaft ins Saarland. Sein Steckenpferd ist auch seine Passion: Lieder zum Anhören und Zuhören – über den Äther oder auf der Bühne, gerne in Französisch oder Deutsch.

16.03.2021 Moderation: Sonja Kmec

Philipp Stadelmeier Élitisme populaire. Die Vollendung des Kinos zur modernen Kunst in Serge Daneys Filmkritiken, 1962 – 1970 Das Unterhaltungsmedium Kino zur eigenständigen Kunstform zu erklären, die anderen Künsten wie Literatur und Malerei ebenbürtig ist: dies war das Projekt der Kritiker-Cineasten der Filmzeitschrift Cahiers du cinéma und der aus ihr hervorgehenden Nouvelle Vague im Frankreich der Fünfziger- und Sechzigerjahre. Anhand des in Deutschland noch recht unbekannten französischen Filmkritikers Serge Daney (1944 – 1992) wird im Vortrag die Rolle der Kritik bei diesem filmkulturellen Unterfangen beleuchtet. Im Spannungsfeld zwischen Cinephilie und Theorie, Howard Hawks und Jean-Luc Godard, Mise en scène und Schrift, der Liebe zum populären amerikanischen Studiokino und einem elitären europäischen Kunstverständnis umreißt Daney in seinen Cahiers-Texten der Sechzigerjahre die Dynamik einer modernen, durch und durch originellen Kunstform.

Philipp Stadelmeier studierte bis 2012 Komparatistik und Romanistik in Frankfurt a.M. Im April 2020 schloss er seine Promotion an der GU Frankfurt und der Université Paris VIII in Filmwissenschaft zu Jean-Luc Godard und Serge Daney, im Rahmen einer deutsch-französischen Cotutelle de thèse ab. Seit 2012 arbeitet er als freier Filmkritiker u.a. für die Süddeutsche Zeitung. Im Verbrecher Verlag erschien 2016 sein Tagebuch-Essay Die mittleren Regionen, ausgezeichnet mit dem Clemens-Brentano-Preis 2018, sowie sein Debütroman Queen July (2019).

30.03.2021 Moderation Andreas Fickers

Anna Jehle (Zentrum für Medienwissenschaft, Potsdam), Staatlich vs. privat? Quote vs. Qualität? Tino Rossi vs. Johnny Hallyday? Konkurrenzen im französischen Radio der 1960er Jahre

Unter dem Eindruck einer sich zuspitzenden Wettbewerbssituation veränderte sich das französische Rundfunkensemble in den 1960er Jahren grundlegend. Die Konkurrenz spielte sich auf unterschiedlichsten Ebenen ab: technisch, institutionell, programmpolitisch. Anna Jehle beleuchtet in ihrem Vortrag die Akteure sowie die wichtigsten Entwicklungen im Radioprogramm und erläutert die unterliegenden sozio-politischen, technischen und ökonomischen Zusammenhänge. Dabei werden auch direkte Wechselwirkungen zwischen konkreten populärkulturellen Erscheinungen und medienökonomischen Interessen nachgezeichnet.

Anna Jehle ist wissenschaftliche Referentin am Brandenburgischen Zentrum für Medienwissenschaften (ZeM) in Potsdam. In ihrer Dissertation hat sie am Beispiel von Radio Luxembourg/RTL herausgearbeitet, wie sich die französische Konsumgesellschaft unter dem Einfluss des Massenmediums Radio ausgebildet hat.

**13.04.2021 Moderation: Maude Williams

Ursula Moser (Universität Innsbruck), Das französische Chanson der 1960er Jahre: ein Karussell, das sich immer schneller dreht…**

Die 60er Jahre stehen für weit mehr als Woodstock oder die Generation der ‚yés-yés‘. Noch haben die großen Klassiker von Saint-Germain-des-Prés nicht abgedankt, noch erlebt eine Piaf ihre größten Erfolge, während parallel dazu neue Meister des Worts wie Ferrat, Gainsbourg, oder Moustaki das französische Chanson beleben. Zugleich erobert die Pop-Rock-Generation die französischen Bühnen mit u.a. Ferrer und Manset sowie die ersten Stimmen der ‚musiques du monde‘, insbesondere zu Reggae-Klängen, verschaffen sich Gehör. Der Vortrag will die Gleichzeitigkeit des Verschiedenen bewusst machen und den ungeheuren musikalischen Reichtum der französischen Popularmusik der 1960er Jahre aufzeigen, die sich wie ein Karussell immer schneller dreht.

Ursula Moser ist em. Universitätsprofessorin an der Universität Innsbruck und Gründerin des dortigen Archivs für Textmusikforschung (Leiterin 1985-2015). Sie ist Mitherausgeberin der kulturwissenschaftlichen elektronischen Zeitschrift ATeM, die sich sowohl auf populäre als auch auf klassische Formen der Textmusik spezialisiert. Publikationen zum Chanson (Auswahl): Existentialismus und französisches Chanson (1984); La chanson française à la lumière des (r)évolutions médiatiques (Hg., mit F. Hörner, 2015).

**27.04.2021 Moderation: Christoph Vatter

Ann-Kristin Kurberg, Transnationale Verflechtungen der französischen und westdeutschen Fernsehunterhaltung in den langen 1960er Jahren**

Unterhaltungssendungen wie Quiz-oder Variétéshows gehörten in Europa in den 1960er Jahren zu den beliebtesten Sendeformaten und wurden generationsübergreifend rezipiert. Die Produzenten standen bei der Gestaltung der Sendungen vor der Herausforderung, jährlich mehrere Sendungen mit Wiedererkennungswert zu produzieren, während die Sendungen den Zuschauerinnen und Zuschauern gleichzeitig stets etwas Neues und Einzigartiges bieten sollten. Durch dieses Bedürfnis der Rezipienten nach regelmäßigen Sendungen mit Eventcharakter waren die Produzenten gezwungen, neue Arbeitsformen zu erproben, was zu verstärkten internationalen Austauschprozessen in der Fernsehunterhaltung führte. Im Vortrag sollen die Transnationalisierungstendenzen der bundesdeutschen und französischen Fernsehunterhaltung am Beispiel von Unterhaltungsshows aufgezeigt werden. Vergleichend wird dabei in den Blick genommen, wie aufgeschlossen französische und westdeutsche Produzenten und Rezipienten diesen äußeren Einflüssen gegenüberstanden.

Ann-Kristin Kurberg ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität des Saarlandes und Mitglied der DFG-Forschergruppe “Populärkultur transnational – Europa in den langen 1960er Jahren”. Unter der Betreuung von Dr. Christoph Vatter promoviert sie zum Thema: „Grenzenlose Unterhaltung – Repräsentation und Inszenierung fremder Kulturen in Unterhaltungsshows im bundesdeutschen, französischen und spanischen Fernsehen der 1960er Jahre“. Ziel des Dissertationsvorhabens ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Aneignung, Repräsentation und Vermittlung als fremd empfundener Kulturen zwischen den drei Untersuchungsländern auf den Punkt zu bringen sowie transnationale Verflechtungen herauszuarbeiten.

**11.05.2021 Moderation: Benoît Majerus

Klaus Jöken, Asterix, sein langer Weg zu den Goten. Wie der kleine Gallier in den 1960er Jahren nach Deutschland kam.**

1959 schufen der Texter René Goscinny und der Zeichner Albert Uderzo „Asterix“. Weil diese Comicreihe in Frankreich bald alle Bestsellerlisten anführte, wurde man auch im Ausland darauf aufmerksam. Die ersten deutschen Übersetzungen ab 1965 waren jedoch ein absoluter Reinfall, weil sie die Abenteuer des kleinen Galliers zu einem germanischen Machwerk verfälschten. Die Autoren beschlossen zunächst, jede weitere Veröffentlichung rechts des Rheins untersagen, weil es ihrer Meinung nach unmöglich war, ihren Humor in eine andere Sprache zu übertragen. Wie es der hochkaratigen Übersetzerin Gudrun Penndorf gelang, sie vom Gegenteil zu überzeugen, soll in diesem Vortrag erläutert werden. Ihr verdanken wir, dass sich Asterix auch im deutschen Sprachraum als erfolgreichste literarische Reihe durchsetzen konnte.

Während seines Studiums (Geschichte und Niederländisch) in Köln lernte Klaus Jöken (Geb. 1958) eine junge Gallierin kennen, die tatsächlich am Fuße von Gergovia wohnte. Um zu ihr ins Arvernerland zu ziehen, strebte er eine Karriere als Übersetzer an, schließlich kann man diesen Beruf überall ausüben, selbst in der Einöde des französischen Zentralmassivs. Weil er sich aber nicht gleich an die hohe Literatur wagte, sondern lieber mit etwas Einfachem anfangen wollte, bewarb er sich zunächst bei einem kleinen Comicverlag. Als sich herausstellte, dass gerade Comics mit speziellen Problemen aufwarten, war es längst zu spät. Seit 1988 hat er an die 400 Titel ins Deutsche übertragen, darunter die Reihen „Lucky Luke“ (seit 1995) und „Asterix“ (seit 2004). Bisher übersetzt in der Reihe „Asterix“ Band 33 bis 38.